LÄNGERE LEBENSERWARTUNG – MEHR SPASS?
Wo früher Schluss war, fängt jetzt viel Neues an:
Wer zur Generation X gehört, oder noch später geboren wurde, hat mit großer Wahrscheinlichkeit eine Lebensgeschichte mit deutlich mehr Kapiteln, als frühere Generationen. Was dieses Plus an Lebenszeit bringt, hat man zu einem guten Teil selbst in der Hand. Erfahrung, Lust auf Neues und „jung gebliebener“ Enthusiasmus sind jedenfalls eine starke Mischung, um Ziele zu erreichen, und Träume zu verwirklichen. Wie das funktionieren kann, worauf Sie dabei achten sollten – und welche Entwicklungen dabei helfen oder stören könnten.
Die große Freiheit
Noch vor wenigen Jahrzehnten war man mit 60 Jahren alt. Und heute? Die Lebenserwartung steigt, ebenso die Vitalität der „Senioren“. Immer mehr „Best Ager“ starten voller Elan durch.
Es ist eine Erfolgsgeschichte: Weltweit ist die durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 1950 (48,1 Jahre) und 2017 (70,5 Jahre) gewaltig angestiegen. Das ergab die Studie „Global Burden of Disease“. Auch die Österreicherinnen und Österreicher leben immer länger, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt hierzulande bereits über 80 Jahre. Wer um das Jahr 1980 geboren wurde, lebt deutlich länger als jemand, der 1950 geboren wurde. Die zwischen 1995 und 2010 Geborenen, genannt ‚Generation Z‘, können mit etwa 15 Lebens-Jahren mehr rechnen, bei ‚Babyboomern‘ und Angehörigen der ‚Generation X‘ kommen etwas weniger Jahre dazu. Wie wollen Sie diese „gewonnenen“ Jahren verbringen? Wie stellen Sie sich Ihr eigenes Alter vor?
Frei sein!
Endlich machen, wofür vorher Zeit, Muße, oder Geld fehlten. So will der Großteil der Deutschen den Ruhestand nutzen. Das geht aus der Umfrage „Altern in Deutschland“ von stern und Körber-Stiftung hervor. Die meisten Befragten wollen sich stärker ihren Hobbys widmen (54 Prozent), oder reisen (54 Prozent) – und haben damit ein deutlich aktiveres Senioren-Programm vor sich, als die meisten vorangegangen Generationen. Das ist wohl auch eine Folge unseres komfortableren Lebens. Demografen fordern bereits eine neue Alters-Definitionen: Ein heute 65-Jähriger hat in der Regel nämlich nicht nur mehr Lebenszeit vor sich, als ein 65-jähriger vor 50, 100 oder gar 150 Jahren. Er ist im Durchschnitt deutlich gesünder, körperlich fitter, und hat besseres kognitive Fähigkeiten.
60 ist das neue 50
Menschen im Pensions-Alter sind heute oft modebewusst, fit, erfahrungshungrig – und sehen sich noch längst nicht auf dem Abstellgleis. Das geht aus dem „Golden Ager Report“ von Marketagent.com hervor. Drei Viertel (76%) der befragten 50-79-Jährigen fühlen sich mitten im Leben. Wichtiger als das eigene Geburtsdatum ist das gefühlte Alter: Im Schnitt fühlen sich die befragten Best Ager um ganze 10 Jahre jünger, als es in ihrem Pass steht. „60 ist also tatsächlich das neue 50“, fasst Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.com, die Ergebnisse zusammen. „Alt“ ist man der Umfrage zufolge übrigens frühestens ab 70, für die 60+Jährigen beginnt das Alter gar erst ab 75 Jahren. Fazit: Best Ager stehen mitten im Leben und gehören längst noch nicht zum alten Eisen. Und sie werden immer mehr.
Soziale Ungleichheit
Das „ewige“ Leben
Google & Co arbeiten in Milliarden-Projekten daran, „den Tod abzuschaffen“. Eine Lebenserwartung von mehreren 100 Jahren könnte „bald“ realistisch sein – wenn man es sich leisten kann. Was würde das mit uns, unseren Familien-Systemen und Lebensmodellen machen? Wollen wir das überhaupt?
„Jede Woche verlängert sich unser Leben um ein Wochenende.“ Dieser Satz des niederländischen Altersforschers Rudi Westendorp beruht auf dem Faktum, dass sich in der jüngeren Vergangenheit die Lebenserwartung pro Jahrzehnt um zwei bis drei Jahre verlängert. Das hat Westendorp auf eine Woche umgerechnet. „Der erste Mensch, der 135 Jahre alt werden wird, ist bereits geboren“, meint Westendorp. Im Silicon Valley git man sich weniger bescheiden: Für viele IT-Vordenker ist der Tod ein Problem. Und Probleme sind da, sie zu lösen.
Lieber Leben als sterben
#IchWerde100
Die richtige Vorsorge hilft uns dabei, dass unsere Zukunft genauso lebenswert wird, wie es unsere Gegenwart ist. Wer länger lebt, kann mehr erwarten.
Das Altern stoppen
Weitreichende Folgen
Der Historiker und Autor Yuval Harari beschreibt in seinem Buch „Homo Deus“ die möglichen Folgen, und räumt gleich einmal mit dem Mythos der „Unsterblichkeit auf“: Selbst wenn es gelingen sollte, die Ursachen des „natürlichen“ Todes auszuhebeln, könnten diese „Übermenschen“ nach wie vor bei Ereignissen wie Kriegen oder Unfällen ums Leben kommen – und deshalb zu den ängstlichsten Menschen werden, die es jemals gegeben habe. Schließlich hätten sie weit mehr zu verlieren, als andere, nämlich die Unendlichkeit. Unter diesem Gesichtspunkt überlege man es sich wohl, ob man den Himalaya besteigt, im Meer schwimmt, auswärts speist, oder eine Straße überquert, so Harari. Auch für unsere Familien-Systeme hätte das „ewige“ Leben weitreichende Folgen: Wie viele Ehen würden tatsächlich die Jahrhunderte überdauern? Wie viel Freude würden Geburtstags- und Weihnachtsfeste ohne das Bewusstsein der Endlichkeit bereiten? Welche Art von Politikern würde „ewig“ an der Macht bleiben, wenn ihnen das eigene Ablaufdatum keine Grenzen setzt? Fakt ist: Die Vision vom längeren Leben ist bereits Realität. Ob sich der uralte Menschheitstraum von der Unsterblichkeit im digitalen High-Tech-Zeitalter erfüllt? Bleibt abzuwarten, ob manche von uns das erleben.
Viel Geld, viele Ansätze
Wir können nicht vorhersagen, wie Ihr Leben verlaufen wird. Aber wir können es begleiten.
Träumerei:
Rückzug mit Erfolg
Etwas leiser treten, aufs Land ziehen und in Ruhe tun, was man schon immer tun wollte: Mit diesen Zielen kauften Barbara Ebner und Roland Kloiber einen alten Dreikanthof – und machten daraus eine der beliebtesten Hochzeits-Locations Österreichs.
Schon als Jugendliche liebte Barbara Ebner ein bestimmtes Motiv in französischen Filmen: Glückliche Menschen, die an langen Tafeln in der Natur speisen, Rotwein trinken, das Leben genießen. „Davon habe ich geträumt, aber trotzdem einen anderen Lebensweg eingeschlagen“, erzählt sie – und ergänzt: „Es ist nie zu spät! Man muss sich nicht für ein Ding im Leben entscheiden, für das eine Haus, oder den einen Job. Außer vielleicht für den einen Mann.“ Der Mann in Barbaras Leben heißt Roland Kloiber, stammt wie sie aus der Obersteiermark. Die beiden kennen einander seit dem Gymnasium, studierten und arbeiteten in Wien und Graz. „Karriere und zwischendurch CityHighlife, das war ein paar Jahre interessant, aber irgendwann genug“, meint Roland Kloiber. Folglich suchten der Molekularbiologe und die Medienmanagerin einen kleinen, ruhigen Rückzugsort fürs Wochenende. Entstanden ist daraus etwas ganz anderes.
Tabula Rasa
2007, die beiden waren 35, kauften sie einen romantischen, aber renovierungsbedürftigen Dreikanthof in Weichselbaum bei Maria Bild. „Südburgenland statt Provence, aber ich habe mir meinen Jugend-Traum erfüllt“, erzählt Barbara Ebner. Die Generalsanierung des Gebäudes war vor allem für Roland Kloiber ein „Knochenjob“. Barbaras Part: Die Räume im verspielten Vintage-Look auf Vordermann zu bringen. Wichtig beim Gestalten ist für sie vor allem eines: Der Mut, Tabula Rasa zu machen. „Das Potential zu sehen, ist die eine Sache. Aber wer es nutzen will, darf keine Angst vor Veränderung haben“, betonen die beiden, und bringen damit auch ihre Lebensmaxime auf den Punkt. Die neue Wohnsituation wurde nämlich zur Basis für einen kompletten Neustart – der, eigentlich ganz harmlos, mit ihrer Hochzeit, begann. Barbara Ebner war eine „ziemlich manische Braut“, besuchte 40 Hochzeits-Locations, bis sie zufrieden war. Ihr Gatte wiederum erkannte immer deutlicher, dass er „einfach kein Büromensch“ ist und träumte davon, seinen bisherigen Brotberuf aufzugeben, um Koch zu werden. Wie sich dieser Traum mit dem Leben im 200 Einwohner-Dorf vereinbaren ließ?
Die Träumerei
Der Schriftzug „Träumerei“ verrät, dass der romantische Dreikanthof mitunter auch etwas ganz anderes als ein ruhiger Rückzugsort ist: Etwa 50 Hochzeiten pro Jahr werden hier gefeiert. Die Hochzeitsmenüs bereitet der Hausherr mit seinem Team zu. Seinen Beruf als Molekularbiologe hängte er an den Nagel, verfeinerte seine Kochkünste in Haubenrestaurants. Betriebswirtin Barbara wurde Wirtin, managed statt Medienunternehmen Hochzeiten. Mit ihrer „offenen Art“, einem ausgeprägten Organisationstalent, und dem guten Auge für Looks & Dekos brachte sie die wichtigsten Voraussetzungen mit. Der Name „Träumerei“ ist Programm: „Träume sind oft spannender als die Realität, und ein wichtiger Antrieb, Ziele zu erreichen“, meint sie. Auf einem der im ganzen Haus verteilten Message-Schildern steht es schwarz auf weiß: Life is a journey, not a destination. „Viele träumen ein Leben lang von einem anderen Zuhause, einem anderen Job – und ändern nichts. Aber was hat man zu verlieren? Bevor wir etwas wagen, planen und überlegen wir alles sehr genau. Bis jetzt ist aus dem Neuen immer etwas Gutes entstanden.“
Besser im Alter: YouTube-Star ab 60
„Meine Oma ist ein Star“, können die drei Enkelkinder von Greta Silver sagen. Die 71-Jährige ist freilich keine Ikone einer vergangenen Epoche. Sie hat sich, nach Jahrzehnten als Hausfrau und Innenraum-Gestalterin, mit 60 neu erfunden, begann zu modeln, zu schreiben und zu bloggen.
Greta Silvers Youtube-Kanal “Zu jung fürs Alter“ wird millionenfach geklickt, ihre Bücher sind Bestseller. Warum das fortgeschrittene Alter ein guter Zeitpunkt ist, Träume zu verwirklichen, beschreibt sie auch in ihrem neuen Buch, ‚Alt genug, um mich jung zu fühlen‘. Demnach sei das Alter Erntezeit: Vorher war Pflicht, jetzt komme die Kür, mit allen Möglichkeiten der Jugend, nur ohne Stress und Ängste. „Was hat man denn zu verlieren?“ meint Greta Silver im Interview. „Die Kinder sind auf der Spur. Man ist nur noch für sich selbst verantwortlich, kann einfach etwas ausprobieren.“ Und wenn man feststellt, das war doch nichts? „Dann muss man sich später wenigstens nicht sagen: hätte ich es doch probiert. In jungen Jahren wäre das eher ein Versagen gewesen.“
Startup für die neue Lebensphase
„Tolles Startkapital“
Lieber 30 oder 71?
Buch-Tipp
Greta Silver: Alt genug, um mich jung zu fühlen
Verlag: Rowohlt
Erstverkaufstag: 19. November 2019

Wer soll das bezahlen?
Sinkende Geburtenraten, steigende Lebenserwartung – noch dazu wird wohl in absehbarer Zeit Künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt und damit das Steuer-Einkommen der Staaten verändern. Was bedeutet das für unsere Pensionen? Können wir unseren Lebensstandard nach dem Berufsleben halten?
13,6 bzw. 18,5: So viele Pensionsjahre erlebten Männer bzw. Frauen in Österreich durchschnittlich, wenn sie 1970 den Ruhestand antraten. Inzwischen sind bei Männern rund 8 Jahre dazugekommen, bei Frauen etwas mehr. Wer heute altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheidet, hat somit etwa ein Vierteljahrhundert Pension vor sich. Analysen der Agenda Austria zeigen: Während sich die demografische Herausforderung vor allem in Zukunft verschärft, ist die Lage im Pensions-System schon heute angespannt.
Wie lange können Pensionen noch länger werden?
Bald mehr, oder weniger Arbeitende?
Radikale Frage
Eines ist sicher
Daheim sitzen und stricken – nicht mit mir! Oder doch?
Naturwissenschaftlerin Stephanie van der Linden hat nach der Geburt ihres ersten Kindes Babykleidung entworfen. Heute sind ihre Strick-Bücher internationale Bestseller, ihre Strick-Tipps in Online-Videos und -Foren heiß begehrt. Warum Stricken boomt – und wie man sein Hobby zum einträglichen Beruf macht.
Der kreative Prozess findet bei Stephanie van der Linden vor dem Stricken statt, mit Garnen, Farben, Mustern, Schnitten und Symmetrien. Wenn sie strickt – oder für Buchprojekte stricken lässt – sind ihre Anleitungen fix fertig, sie weiß schon vor der ersten Masche, wie das Strickstück aussehen wird. „Einfach drauf los stricken, das macht mir nur den halben Spaß. Ich bin definitiv eine Planerin“, sagt die populäre Strickbuch-Autorin – ihre ungewöhnliche Karriere hat sie allerdings nicht geplant. „Eines ergab sich aus dem anderen. Oft dadurch, dass ich von meinen Ideen und Wünschen erzählte, mich dann auf Anfragen eingelassen habe.“
Aus der Karenz via Internet in die Welt
Vom Bauwesen in die Strick-Branche
Alle Teilnehmer hatten eigene Wünsche, Fähigkeiten und Erfahrungen, und gaben direktes, manchmal unverblümtes Feedback zum Stil der Anleitungen. „Ein besseres Bootcamp hätte ich mir gar nicht vorstellen können“, erzählt Stephanie van der Linden. Ihrer Meinung nach sollte man gerade im Kreativbereich den Kunden im Fokus haben. Das ermöglicht, Trends aufzuspüren, Anleitungs- und Tutorialtexte zu optimieren. Dabei hilft der Austausch auf Plattformen wie ravelry.com – dort traten auch internationale Verlage und Garnhersteller an die populäre Stricktechnikerin heran. Inzwischen sind ihre Bücher in mehreren Auflagen und Sprachen erschienene Bestseller, tausende User folgen ihren Strick-Tipps in Online-Videos und -Foren. Der Übergang vom „fixen Job“ als Bauingenieurin zur selbstständigen Größe in der Strick-Szene erfolgte nahtlos: „Ich bin nach der Kinderpause und einem Umzug in eine andere Stadt gar nicht erst wieder in den vorigen Job eingestiegen, ich hatte ja bereits Anfragen von Verlagen und Garnherstellern vorliegen.“ Woher Sie die Sicherheit nahm, als frisch gebackene Mutter einen neuen Weg zu gehen, der Mut erfordert: „Wenn man in der Situation keinen finanziellen Druck hat, jeden Auftrag sofort anzunehmen zu müssen, hilft das sehr.“

Stricken ist wieder in
Die neue Lust an Individualität, Kreativität und die DIY-Bewegung sind entscheidende Faktoren, warum Stricken auch bei jungen Leuten „in“ ist. „Die modernen Strick-Fans sind bereit, viel Geld für edle Garne und hochwertige Nadeln auszugeben, verlangen aber auch ausführliche, gut ausgearbeitete Anleitungen mit ansprechenden Fotos, hilfreichen Tutorials oder Links zu Videos. Und manchmal auch den direkten Kontakt zum Designer, um Fragen bei Problemen individuell klären zu können“, weiß van der Linden. Für sie selbst ist Stricken totale Entspannung. Meditativen Charakter spürt sie dabei nur auf Bahnfahrten, wenn sie während dem Stricken Stillsitzen muss. Sie ist viel unterwegs, besucht Messen, Kunden und Auftraggeber, online trifft man sie auf verschiedenen Social Media-Plattformen. Sie entwirft und schreibt, lektoriert Anleitungen für Verlage, Garnhersteller, und andere Designer. Kaum ein Arbeitstag ist wie der andere – und das gefällt Stephanie van der Linden. Die Rückkehr in ihren früheren Job als Bauingenieurin ist jedenfalls nicht geplant.
Ab jetzt bin ich mein eigener Chef!
Thomas Pfummerl war 30 Jahre lang Banker. Dann kündigte er, machte sich als Verkaufs- und Business-Trainer selbstständig. Was es zu beachten gilt, wenn man mit 40plus den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, verrät er im Interview.
Sie haben mit 48 einen sicheren, gut dotierten Job aufgegeben. Warum?
Thomas Pfummerl: Das haben mich damals viele gefragt. Ich habe mich bei dieser Bank wohl gefühlt und das gemacht, was ich gerne mache: Kundenberater und Führungskräfte trainieren, Vertriebsstrategien entwerfen. Trotzdem habe ich mich gefragt: Ist das wirklich alles, was du vom Berufsleben erwartest? Ich wollte etwas Neues probieren. Ehrlich gesagt vor allem, weil ich nicht immer das Gleiche machen wollte.
Damit haben Sie einiges riskiert…
Manche gehen in die Selbstständigkeit, weil sie ihren Job verlieren, oder in ihrem Job unglücklich sind. Andere kommen, so wie ich, aus einer komfortablen Situation. Da gilt es, gerade mit 40Plus, abzuwägen: Ist es das Neue wirklich wert, im Vergleich zu dem, was ich aufgebe? Das ist das erste, was man sich unbedingt fragen sollte.
Dazu muss man das mögliche Scheitern durchdenken?
Ja. Das Worst Case Szenario, das mit Abstand schlimmste, das in der Selbstständigkeit passieren kann. Mit diesem Bild muss ich überlegen: Kann ich damit leben? Wie gehe ich damit um, wenn das passiert? Wenn ich dafür keinen Ausweg, keine zusätzliche Alternative habe, sollte ich mir sehr genau überlegen, ob ich das riskiere. Wäre mein Horror-Szenario – keiner bucht meine Leistungen – eingetreten, hätte ich wieder in ein Angestelltenverhältnis – vielleicht sogar zu meinem früheren Arbeitgeber – zurückkehren können. Ein Eingestehen des Misserfolges und extrem unangenehm, aber eine Möglichkeit. Jetzt habe ich fast zwei Jahre Selbstständigkeit hinter mir, und es funktioniert Gott sei Dank.
Was ist mit 40Plus gängiger: Dass man in der Branche, in der man tätig ist, bleibt – aber sein eigener Chef wird? Oder, dass man etwas ganz anderes macht?
Die meisten probieren etwas komplett anderes. Zentrales Motiv: Ausgeprägte Frustration. Viele, die mit dem, was sie tun, unglücklich sind, gehen aus einer Emotion heraus in die Selbstständigkeit. Sind irgendwann über einem Verkaufs- oder Führungsbuch eingeschlafen, mögen gute Restaurants, und glauben: Das kann ich auch. Blauäugig bis zum Abwinken. Das funktioniert meistens nicht.
Worauf kommt es an?
Man muss ehrlich und realistisch hinterfragen: Wie viel Umsatz brauche ich, um so leben zu können, wie ich möchte? Wer sind meine Kunden, was ist mein Beuteschema? Bin ich bereit, mehr zu arbeiten, als im Angestelltenverhältnis? Was sind die Menschen bereit, für meine Leistungen zu zahlen? Den Controller in dir brauchst du, um dein Geschäftsmodell beinhart durchzurechnen. Wenn du draufkommst: das kann nicht funktionieren, dann lass es. Such dir etwas anderes, das funktionieren kann. Sehr wichtig: Die Familie muss komplett hinter dir stehen.
Hat man mit 40Plus spezielle Stärken für die Selbstständigkeit?
Es spricht viel dafür, dass man es mit 40Plus besser kann. Man ist normalerweise realistischer bei der Einschätzung, was geht, und was nicht. Hat mehr Fertigkeiten, Qualifikationen, Wissen. Vor allem im beratenden Bereich sind ältere Menschen erfolgreicher. Was ich jetzt mache, hätte ich mit 35 nicht machen können. Jedes Training ist für meine Kunden deutlich mehr wert, als sie dafür bezahlen. Diesen Mehrwert hätte ich früher nicht in dieser Qualität bieten können. Im fortgeschrittenen Alter hat man auch mehr Contenance – Geduld, die man braucht, bis ein neues Geschäft funktioniert. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen.
Thomas Pfummerl war in einem Geldinstitut im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung tätig. 2017, mit 48, kündigte er, und machte sich selbstständig. Heute ist er mit seinem Beratungs- und Personalentwicklungs-unternehmen „smart trainings“ erfolgreich.

Die Anzahl der jüngeren Gründer blieb seit 1993 relativ konstant. Ältere Jahrgänge dagegen gehen verstärkt in die Selbstgängigkeit: 1993 waren 538 Unternehmensgründer 50-60 Jahre alt, 2007 waren es 2.266, im Jahr 2018 bereits über 6.000. Nach ihrem 60. Geburtstag haben 1993 nur 58 Menschen in Österreich ein Unternehmen gegründet. 2007 waren es 561. Mehr als drei Mal so viele (1.881) über 60-Jährige gründeten 2018 ein Unternehmen. Quelle: WKO
Für viele gesunde Jahre
Wie alt werden Sie werden? Das hängt stark von sozioökonomischen Faktoren ab: Finanzielle Möglichkeiten und Bildung erhöhen die Chance auf viele Geburtstage – und auch dafür, wie fit man im fortgeschrittenen Alter das Leben genießen kann.
Gute wirtschaftliche und soziale Lebensumstände erhöhen die Lebenserwartung: Mehrere Studien, wie etwa das von der EU-Kommission finanzierte Forschungsprojekts Lifepath, belegen diese Aussage. Auswertung der Statistik Austria lassen ähnliche Schlüsse zu. Einer aktuellen Analyse des Berliner Robert Koch Instituts zufolge sterben in Deutschland 13 Prozent der Frauen aus der niedrigsten Einkommensgruppe vor ihrem 65. Geburtstag, aber nur acht Prozent aus der höchsten. Bei Männern sterben 27 Prozent aus der niedrigsten Einkommensgruppe vor ihrem 65. Geburtstag, während es nur 14 Prozent aus der höchsten Einkommensgruppe trifft.
„Neue Möglichkeiten früher nutzen.“
Mehr gesunde Jahre
Eine Frage der Bildung
„Gesund bleiben, das ist das wichtigste!“
Impressum
Herausgeber:
ERGO Versicherung Aktiengesellschaft
Postanschrift:
ERGO Center,
Modecenterstraße 17, 1110 Wien
Redaktion:
styria digital one GmbH,
Hainburger Straße 33, 1030 Wien
Digitale Umsetzung:
styria digital one GmbH
1030 Wien
Entgeltliche Einschaltung von ERGO Versicherung